Text
Das Wasser der Wahrheit
Der große Jean Bernard hat einmal gesagt: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Das ist wahr – doch als Journalist weiß ich: Ein Bild allein erklärt die Welt nicht immer bis zum Grund. Wenn das Video der Hopfen meiner Arbeit ist, dann ist der Text das Wasser. Es ist das Element, das Struktur gibt und die Geschichte erst fließfähig macht. Ohne reines Wasser gibt es kein gutes Bier – und ohne einen präzisen Text bleibt jedes Bild stumm.
Mehr als je zuvor: Die radikale Schärfe Mein Anspruch an die Wahrheit war schon immer mein Antrieb, doch mein schwerer Unfall vor drei Jahren hat diesen Blick radikal geschärft. Seitdem gibt es für mich kein Zurück mehr zu oberflächlichem Blabla. Mehr als je zuvor möchte ich ab jetzt nur noch die ungeschönte Realität abbilden. Ich habe keine Zeit mehr für belanglose Füllwörter, weichgespülte PR-Floskeln oder künstlich aufgeblasene Sätze. Der Unfall hat den Filter entfernt: Übrig geblieben ist die Konzentration auf das, was wirklich zählt.
Das Reinheitsgebot der Sprache Wenn ich schreibe, dann gilt mein Reinheitsgebot der Realität: Nichts hinzufügen, nichts weglassen. Ein Text muss so ehrlich sein wie der dampfende Urin in jenem kalten Landshuter Container, in dem ich meine erste Reportage drehte. Er muss echt sein, er muss weh tun dürfen, er muss spürbar sein. Ich komponiere meine Zeilen so, dass sie dem Bild nicht die Show stehlen, sondern ihm ein unerschütterliches Fundament geben. Qualität braucht keine künstlichen Aromen, sie braucht die nackte Substanz.

